Rabendenke
In unserer Gesellschaft stellt einen das Familienleben teilweise
vor unlösbare Aufgaben. „Wohlerzogene“ und „folgsame“ Kinder sollen wir formen,
alle Talente fördern, alle Bedürfnisse erfüllen, aber ja nicht „verwöhnen“, uns
„durchsetzen“ und natürlich „nebenbei“ die perfekte Ehe führen, den Haushalt
spielend meistern und bitte den Erfolg im Berufsleben nicht vergessen.
Selbstverständlich emanzipiert - was denn sonst.
Geht das wirklich?
Viele von uns haben beim ersten Kind dieses Ideal angestrebt, weil „es sich so
gehört“. Und meistens dabei festgestellt, dass es eben nicht geht. Dass wir es
aber auch gar nicht wollen. Dass sich unser Herz bei der Befolgung des ein oder
anderen „guten Rates“ gewunden hat.
Und so machten wir uns auf die Suche nach einem anderen, einem stimmigeren Weg.
Beim Stöbern in Büchern und Internetforen stellten wir fest, dass wir nicht
allein sind. Es ist sehr wohl möglich, einen respekt- und liebevollen und somit
gewaltfreien Umgang mit seinen Kindern zu pflegen. In anderen Kulturen ist das
selbstverständlich und ermöglicht, das nach dem wir uns alle sehnen: ein
harmonisches Familienleben, das sich richtig und gut anfühlt. Unverkrampft und
authentisch, voller Lebensfreude, einfach glücklich, Bauchgefühl und Handeln
sind im Einklang.
Eine Beschreibung dieser Lebensart findet man in Jean Liedloffs „Auf der Suche
nach dem verlorenen Glück“. Sie nennt es „im Kontinuum sein“. Der Grundansatz
ist einfach und eingängig: Wenn man die Bedürfnisse eines Kindes respektiert,
achtsam auf seine Signale reagiert und darauf vertraut, dass das Kind nur das
will, was es braucht, dann fühlt sich das Kind geborgen, gut, sicher und
richtig. Im Laufe der Zeit wandeln sich die Bedürfnisse und Erwartungen, aber
das Prinzip ist immer das Gleiche: solange sich ein Mensch "richtig" fühlt, ist
er in seinem innersten zutiefst glücklich.
Unser Weg wird daher geprägt vom respektvollen Umgang mit jedem
Familienmitglied, egal wie alt es ist. Wir versuchen die wahren Bedürfnisse des
einzelnen zu erkennen und so weit es geht zu erfüllen – ohne die Grenzen der
anderen und seine eigenen zu verletzen. Die größte Schwierigkeit liegt für uns
dabei darin, den natürlichen Instinkt wiederzufinden und der inneren Stimme als
Eltern wieder Gehör zu verschaffen.
Dabei muss man oft verschiedene Wege gehen: eine selbstbestimmte Geburt, Stillen
und Tragen nach Bedarf, das gemeinsame Schlafen im Familienbett, sind u. a.
Themen, die gerade in unserer Zeit sehr widersprüchlich diskutiert werden. Für
uns sind es wichtige Punkte bei der Schaffung eines gesunden Urvertrauens für
unsere Kinder, die dadurch zu selbständigen und „selbst-bewussten“ Menschen
heranwachsen.
Wir streben nach einer Gesellschaft, in der dieser Weg für alle Generationen
Normalität ist genau wie die freie Wahl beider Eltern, wie die Berufstätigkeit
und die Kinderbetreuung aufgeteilt wird.